Für unsere Marktpreis-Analysen für Klassiker von morgen hat sich die Frage gestellt, wie sich die Preise eines bestimmten Modells am besten im Überblick darstellen lassen. Dazu haben wir Ende 2016 das sog. Preis-Perzentil-Diagramm eingeführt. Das Prinzip und die großen Vorteile dieses Diagramms möchte ich nachfolgend etwas näher erläutern.

Das Diagramm ist wie folgt aufgebaut:

Aber warum ist dieses Diagramm hilfreich? Nun, man könnte natürlich ausschließlich mit den Durchschnittspreisen eines Modells arbeiten. Das wäre dann nur ein Wert pro Modell (während das Preis-Perzentil-Diagramm vier Werte pro Modell darstellt).

Der bloße Durchschnittspreis hat aber folgendes Problem: Gerade bei künftigen Klassikern – wie z.B. dem oben dargestellten Jaguar X308 – sind die Spannbreiten der Preise am Markt oftmals sehr groß. Es gibt Fahrzeuge für 2.000 Euro, und es gibt Fahrzeuge für 40.000 Euro. Beide Preise sind Extrempunkte, sog. Ausreißer, und beide spiegeln damit nicht den typischen Markt wider.

Ein bloßer Durchschnittspreis verliert in Märkten mit großen Preisspannen an Aussagekraft. Hier ist die Preisspanne zwischen 25%- und 75%-Perzentil (im Diagramm dargestellt als rechteckiger Kasten) viel aussagekräftiger.

Wenn dann noch hinzukommt, dass nur wenige Fahrzeuge angeboten werden, und man nur die Entwicklung der Durchschnittspreise über der Zeit anschaut, wird es regelrecht irreführend. Sinken z.B. einzelne Ausreißer am oberen Ende stark im Preis, dann könnte es gut sein, dass der Durchschnittspreis über alle Fahrzeuge dadurch sinkt, obwohl das mittlere Marktsegmente (das Rechteck im Diagramm also) gleichzeitig sogar an Wert gewinnt!

Genau das lässt sich zum Beispiel im Juli 2017 beim Jaguar XK8 Coupé 4.0 schön beobachten:

  1. Bei reiner Betrachtung des durchschnittlichen Angebotspreises aller XK8 Coupé 4.0 lässt sich von April 2017 bis Juli 2017 ein Rückgang von 4,1% feststellen. Ein Grund zur Sorge, verliert das XK8 Coupé etwa an Attraktivität?
  2.  Bei zusätzlicher Betrachtung des Preis-Perzentil-Diagramms für diesen Zeitraum erklärt sich diese Entwicklung sehr schnell: Die Ausreißer nach oben sind im Markt entfallen (der obere Punkt ist von 30.000 auf rund 22.00 Euro gesunken), und es sinkt Ausreißer am unteren Ende dazugekommen. Dadurch alleine sinkt der Durchschnitt. Gleichzeitig – und hier wird es spannend – haben sich aber die „mittleren 50% des Marktes“ (rechteckiger Kasten) weiterhin positiv entwickelt: Der Mittelpunkt zwischen 25%- und 75%-Perzentil hat sich um 6% erhöht.

 

Dieses Beispiel zeigt anschaulich, wie sich ein Fahrzeugsegment im Kern preislich ausgesprochen positiv entwickelt, und dennoch zugleich in bestimmten Perioden der Durchschnittspreis rückläufig sein kann. Das Preis-Perzentil-Diagramm schafft Transparenz über die Struktur der Preise im Markt und hilft so, realistische Preise abzuleiten.

Viel Spaß beim Analysieren der Preise!

5 Kommentare





  1. Vielen dank für die Veranschaulichung! Ich bastele gerade an Analysen für den 997 sowie Boxster und Cayman…die Zahlen habe ich aber ich grübele schon länger über die richtige Darstellung und Bewertung.

    Vielen Dank
    Christian

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